1. Grundlagen der Heilerziehungspflege (HEP) Definition: Beruf, der Menschen mit Behinderungen in allen Lebensbereichen begleitet, fördert und pflegt. Ziel: Inklusion, Selbstbestimmung, Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Handlungsfelder: Wohnen, Arbeit/Beschäftigung, Bildung, Freizeit, Pflege. 2. Personenbezogene Konzepte Behinderung: Beeinträchtigung der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben für länger als 6 Monate; kann körperlich, geistig, seelisch oder sinnesbezogen sein. Inklusion: Alle Menschen leben gleichberechtigt zusammen, unabhängig von individuellen Merkmalen. Partizipation: Beteiligung an Entscheidungen und Gestaltung des eigenen Lebens. Selbstbestimmung: Recht und Möglichkeit, eigene Entscheidungen zu treffen und das Leben eigenverantwortlich zu gestalten. Normalisierung: Ermöglichung von Lebensbedingungen, die denen der Allgemeinbevölkerung so ähnlich wie möglich sind. Empowerment: Stärkung der Eigenkräfte und Ressourcen von Menschen, um ihre Lebenssituation selbst zu verbessern. Personenzentrierter Ansatz: Individuelle Bedürfnisse, Stärken und Wünsche der Klienten stehen im Mittelpunkt der Unterstützung. 3. Rechtliche Grundlagen SGB IX (Sozialgesetzbuch Neuntes Buch): Rehabilitation und Teilhabe von Menschen mit Behinderungen. Eingliederungshilfe (§§ 90 ff. SGB IX): Leistungen zur Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft, an Bildung und am Arbeitsleben. Leistungen zur Sozialen Teilhabe (§ 113 SGB IX): z.B. Wohnassistenz, Freizeitgestaltung. UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK): Internationales Abkommen zur Förderung und zum Schutz der Rechte von Menschen mit Behinderungen. Betreuungsrecht: Gesetzliche Regelungen zur Unterstützung von Menschen, die ihre Angelegenheiten nicht selbst regeln können (z.B. durch Betreuer). 4. Pädagogische und Therapeutische Ansätze Basale Stimulation: Ganzheitliches Förderkonzept für Menschen mit schweren Beeinträchtigungen zur Anregung der Wahrnehmung und Kommunikation. Unterstützte Kommunikation (UK): Methoden und Hilfsmittel für Menschen, die sich nicht oder kaum lautsprachlich äußern können (z.B. Gebärden, Talker, Bildkarten). Strukturierung/Visualisierung: Einsatz von Plänen, Symbolen, Farben zur Orientierung und zum besseren Verständnis von Abläufen. Verhaltensmodifikation: Systematischer Einsatz von Methoden zur Veränderung unerwünschten Verhaltens und zum Aufbau erwünschten Verhaltens. Erlebnispädagogik: Lernen durch Erfahrungen in der Natur oder bei herausfordernden Aktivitäten. Sensorische Integration: Therapieansatz zur Verbesserung der Verarbeitung von Sinnesreizen. 5. Arbeitsfelder und Berufspraxis Ambulante Hilfen: Unterstützung im eigenen Wohnraum (z.B. Betreutes Wohnen). Stationäre Einrichtungen: Wohnheime, Wohngruppen für Menschen mit Behinderungen. Tagesstrukturierende Angebote: Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM), Förderstätten, Tagesförderstätten. Schulbegleitung/Integrationshelfer: Unterstützung von Schülern mit Behinderungen im schulischen Alltag. Freizeitgestaltung: Organisation und Begleitung von Freizeitaktivitäten, Reisen. Bezugsbetreuung: Eine Bezugsperson ist für die umfassende Begleitung und Koordination der Hilfen eines Klienten zuständig. Dokumentation: Schriftliche Festhaltung von Beobachtungen, Maßnahmen, Entwicklungsberichten und Zielvereinbarungen. Hilfeplanung: Individueller Plan zur Festlegung von Zielen und Maßnahmen zur Unterstützung des Klienten. Interdisziplinäre Zusammenarbeit: Kooperation mit anderen Fachkräften (Ärzte, Therapeuten, Psychologen). Kindeswohlgefährdung: Situationen, in denen das körperliche, seelische oder geistige Wohl eines Kindes ernsthaft bedroht ist. 6. Wichtige Begriffe im Kontext der Behinderung Körperliche Behinderung: Beeinträchtigung der körperlichen Funktionen (z.B. Rollstuhlfahrer, Spastik). Geistige Behinderung: Einschränkung der kognitiven Fähigkeiten (Lernfähigkeit, Problemlösung). Seelische Behinderung: Dauerhafte psychische Erkrankung, die die Teilhabe beeinträchtigt (z.B. Schizophrenie, Depression). Sinnesbehinderung: Beeinträchtigung der Sinnesorgane (z.B. Blindheit, Gehörlosigkeit). Autismus-Spektrum-Störung (ASS): Entwicklungsstörung mit Besonderheiten in sozialer Interaktion, Kommunikation und repetitivem Verhalten. Down-Syndrom (Trisomie 21): Genetische Veränderung mit charakteristischen körperlichen Merkmalen und geistiger Behinderung. Epilepsie: Neurologische Erkrankung mit wiederkehrenden Anfällen. Demenz: Erkrankung des Gehirns, die zu fortschreitendem Verlust kognitiver Fähigkeiten führt. 7. Kommunikation und Interaktion Aktives Zuhören: Volle Konzentration auf das Gesagte des Gegenübers, um Verständnis zu signalisieren. Empathie: Fähigkeit, sich in die Gefühle und Gedanken anderer hineinzuversetzen. Ressourcenorientierung: Fokus auf die Stärken und Fähigkeiten der Person statt auf Defizite. Transparenz: Offene und nachvollziehbare Kommunikation über Entscheidungen und Vorgehensweisen. Grenzen setzen: Klare Definition von persönlichen und professionellen Grenzen.